Praxis für Logopädie - Sprach-, Sprech- und Stimmtherapie

Ich spüre, was du tun wirst
Max-Planck-Institut untersucht, was im Hirn passiert beim alltäglich komplexen Miteinander. 12.11.2010

Zusammen musizieren, Tischtennis spielen oder aneinander vorbeigehen, all das sind Abfolgen von kleinen und größeren sozialen Interaktionen, in denen wir uns intuitiv auf andere Personen einstellen. Aber, woher wissen wir immer so schnell, was der andere tun wird?

Lange verfolgte die Psychologie einen linearen Ansatz: Perzeption-Kognition-Aktion. Wäre dem aber wirklich so, bräuchte es einen komplexen Denkprozess, der viel zu lange dauern würde, bevor eine Handlung erfolgt. Direktor Wolfgang Prinz und seine Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben festgestellt: "Menschen können deshalb so reibungslos mit anderen zusammen agieren, weil sie meistens schon im Voraus wissen, was der andere tun wird."

Bei Makaken-Affen wurden sogenannte Spiegelneurone gefunden, die genau diesem Prozess zuzuordnen sind. Beim Menschen sucht man noch. Man nimmt an, dass im prämotorischen Kortex Simulationsprozesse stattfinden, die uns helfen, das Handeln anderer zu verstehen. Daraus wird abgeleitet, was eine Person wahrscheinlich als nächstes tun wird.

In den Niederlanden entwarf die ehemalige Doktorandin von Prinz, Natalie Sebanz, ein Reiz-Reaktions-Experiment, das ein Proband einmal alleine durchführte, dann mit einer anderen Person zusammen. Dabei wurde auf einem Bildschirm ein Zeigefinger gezeigt, der einen roten oder grünen Ring trug. Die Teilnehmer sollten dann eine linke oder rechte Taste drücken, je nachdem welche Farbe der Ring hatte. Allerdings wies der Zeigefinger auch nach rechts und nach links, unabhängig welchen Ring er trug. Das verzögerte die Reaktion des einzelnen Probanden. War der Teilnehmer allerdings nur für einen Knopf verantwortlich, verschwand die Verzögerung. Sie tauchte wieder auf, als ein Partner dazu gesetzt wurde. Zwei Personen zusammen handelten also, wie eine Person, die zwei Hände zu koordinieren hat. Das heißt, man behält den anderen immer im Kopf. Korepräsentation nennt sich dieses Phänomen.

Auf dieser Grundlage werden nun Musiker in ihrem Zusammenspiel untersucht. In diesen MRT unterstützten Studien wurde festgestellt, dass die Simulationsaktivität dann am stärksten ist, wenn die Handlungen des anderen zu unserem eigenen Repertoire gehören. Also Musiker reagieren auf das Klavierspiel eines Kollegen stärker als ein Laie. Auch das Zusammenspiel vieler Musiker wird noch im Labor untersucht. Eines ist klar, für diese Prozesse muss es kognitive Ressourcen geben. In ihren Analysen können die Wissenschaftler auch feststellen, wer sich an wem ausrichtet, wer führt und wer sich eher unterordnet.

Noch handelt es sich um Grundlagenforschung, aber der Blick geht zum einen auf das Schaffen von künstlichen Intelligenzen, zum anderen aber auch auf die Therapie, das Verstehen von Störungen auf emotionaler Ebene oder von fehlenden Einfühlungsvermögen wie es bei Autismus oder bestimmten Hirnverletzungen auftritt.


Ul.Ma / physio.de



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