Praxis für Logopädie - Sprach-, Sprech- und Stimmtherapie

Narkose oder Training?
Knieoperationen müssen nicht sein. 18.04.2013

Gang zum Orthopäden oder Unfallchirurgen bei Kniebeschwerden endet nicht selten auf dem Operationstisch: Arthroskopische Behandlungen bei Meniskusrupturen sind zwar in der Chirurgie "in", jedoch nicht mehr als "up-to-date" zu werten. Vielmehr sind physiotherapeutische Erstmaßnahmen nahezu ebenso wirksam als die obligatorischen operativen Eingriffe am Knie. Diese Erkenntnis wurde durch eine randomisierte Vergleichsstudie belegt.

An der multizentrisch-kontrollierten Studie nahmen 351 Patienten teil. Allesamt zeigten leichte bis mittelschwere Gonarthrosen, Knieschmerzen sowie Meniskusrisse. Bei jedem Teilnehmer wurde die Diagnose mittels eines Röntgenbildes oder eines MRT gesichert.

Die Patienten wurden per Zufallsgenerator in zwei Gruppen eingeteilt: In der sogenannten OP-Gruppe wurden die Probanden durch den chirurgischen Knie-Eingriff behandelt, während die andere Gruppe in den Genuss physiotherapeutischer Maßnahmen kam. Hierbei wurde die KG-Gruppe jedoch engmaschig kontrolliert, um ihnen bei Beschwerdepersistenz oder Verschlimmerung einen Wechsel in die OP-Gruppe zu ermöglichen.

Als Hinweis für Veränderungen oder Verbesserungen wurde der WOMAC-Score zur Hilfe genutzt. Dieser sogenannte "Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index" bietet Einteilungen zur Bestimmung der Schmerzintensität oder der Bewegungseinschränkung. Als wirksames Indiz wurde die Veränderung der körperlichen Funktion nach sechs Monaten besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Wo anfangs die Patienten auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten im Durchschnitt 37 Punkte erreichten, verbesserte sich der funktionelle Status der operativ behandelten Gruppe um 20,9 Punkte. Die physiotherapeutisch behandelte Gruppe erreichte eine Verbesserung von rund 18,5 Punkten. Diese Differenz von 2,4 Punkten wurde als nicht signifikant bezeichnet.

Die Schmerzen wurden mit Hilfe des Schmerz-Score "KOOS" (Knee Injury and Osteoarthritis Outcome-Skala) eingeteilt. Auch hier konnten nach sechs Monaten beide Gruppen mit einer Verringerung der Schmerzintensität punkten: Anfangs lag der KOOS bei 46 bis 47 Punkte und verringerte sich um 24,2 bis 21,3 Punkte.

Bei all diesen Ergebnissen gilt zu berücksichtigen, dass in den ersten sechs Monaten rund 30 Prozent der Patienten (also 51 Probanden) von der Physiotherapie-Gruppe in die OP-Gruppe wechselten. Ebenso entschieden sich jedoch neun Patienten (sechs Prozent) gegen einen operativen Eingriff.
Patienten, die zunächst eine konservative Behandlung genossen und sich anschließend einem chirurgischen Eingriff unterzogen, konnten mit einer nahezu gleichen Verringerung ihrer Beschwerden erleben wie die Gruppe, die sich sofort der Meniskektomie unterzogen.

"Die Befunde bestätigen die Sicherheit einer anfänglichen konservativen Strategie bei Patienten mit Meniskusriss und Arthrosezeichen, die über Knieschmerzen klagen", erklären die Studienautoren um Dr. Jeffrey N. Katz vom Brigham and Women’s Hospital in Boston. Mit Hilfe von physiotherapeutischen Maßnahmen könne über einen Zeiraum von sechs bis zwölf Monaten ebenso enorme Verbesserungen von Schmerzen und Funktionen erzielt werden als mit der Meniskektomie. Dr. Rachelle Buchbinder von der Universität Melbourne stimmt dieser Einschätzung zu: "Für Gonarthrose-Patienten mit Beschwerden, die vermutlich von einem Meniskusriss herrühren, ist eine OP nicht routinemäßig erforderlich."

Eine ähnliche, randomisierte Studie wurde letztes Jahr in einem Universitätsklinikum in Schweden durchgeführt (wir berichteten am 14.5.2012). Anscheinend sind die Schulter-Erkenntnisse in das Knie gewandert.



Studie im New England Journal of Medicine



AvB / physio.de



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