Praxis für Logopädie - Sprach-, Sprech- und Stimmtherapie

Sitzen ist gesundheitsschädlich
Sport alleine kann Krankheitsrisiko nicht vermindern. 10.04.2014

Zu wenig Bewegung ist ungesund - das weiß heute jedes Kind. Dass aber das reine Sitzen auch unabhängig von sportlicher Aktivität gesundheitsschädlich ist, zeigt jetzt eine Übersichtsarbeit von Jens Bucksch und Wolfgang Schlicht aus Bielefeld und Stuttgart. Die Sportwissenschaftler untersuchten dazu mehrere Metaanalysen von Beobachtungsstudien. Ihr Fazit: Es ist egal, ob wir regelmäßig nach dem Büro noch für eine Stunde die Laufschuhe schwingen oder im Hallenbad Runden ziehen. Alleine dass wir jeden Tag so viel sitzen, erhöht schon unser Sterblichkeitsrisiko.

Eine "sitzende Lebensweise", also häufiges Sitzen und Liegen mit geringer energetischer Beanspruchung, ist schlecht für Herz und Kreislauf, so die Autoren. Es erhöht das Risiko für Krebs, Gallensteine, Bluthochdruck, Typ-II-Diabetes und andere kardiovaskuläre Erkrankungen. Mit der Zeit, die wir im Büro oder im Fernsehsessel verbringen, steigt statistisch gesehen sowohl die Gesamt- als auch die kardiovaskuläre Sterblichkeit. Die Autoren verweisen auf Studien aus den USA, die besagen: Die Lebenserwartung stiege um zwei Jahre, wenn man täglich weniger als drei Stunden sitzen würde. Allein durch die Einschränkung des Fernsehkonsums auf unter zwei Stunden könnte man im Schnitt 1,38 Lebensjahre länger leben.

Insgesamt sitzen alle zu viel. Knapp die Hälfte aller erwachsenen Deutschen verbringt mindestens sechs Stunden am Tag in der ungesunden Position - länger als der europäische Durchschnitt, schreiben die Autoren. Bereits 2011 hatten Dr. Birgit Wallmann und Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln herausgefunden, dass Deutsche im Schnitt fünf Stunden und 22 Minuten sitzen. Männer säßen, statistisch gesehen, etwa 45 Minuten länger als Frauen. Zu den "Dauersitzern" auch in der Freizeit gehören besonders junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren. Akademiker, die häufiger im Büro arbeiten als Menschen mit Hauptschulabschluss, sind durch den Bewegungsmangel ebenfalls besonders gefährdet.

Bucksch und Schlicht rufen dazu auf, das Sitzen künftig in Public-Health-Empfehlungen zu erwähnen. Die Deutschen sollten sich mehr moderat bis intensiv bewegen und ihre sitzende Lebensweise im Alltag reduzieren, zum Beispiel indem sie zwischendurch häufiger aufstehen, stehen oder auch über kurze Distanzen umhergehen, wie dies etwa bei Haushaltstätigkeiten geschieht. Allerdings geben sie keinen Ratschlag, was ein Büroarbeiter zum Chef sagen sollte, wenn letzterer dessen 40-Stunden-Woche einfordert...


SH / physio.de



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