Praxis für Logopädie - Sprach-, Sprech- und Stimmtherapie

Sport gegen Hyperaktivität
Bewegung kann die Therapie von ADHS-Kindern ergänzen. 29.01.2015

Durch sportliche Aktivität können die kognitiven Fähigkeiten - besonders die Aufmerksamkeit und die Gedächtnisleistung - von Kindern mit Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) verbessert werden. Der Einsatz entsprechender Bewegungsprogramme als Therapieergänzung für die kleinen Patienten wäre somit denkbar.

Bei Kindern mit ADHS sind neben den Hauptsymptomen der Krankheit - Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität - häufig erhebliche Defizite im Bereich der motorischen und kognitiven Fähigkeiten zu beobachten. Bereits in früheren Untersuchungen konnten Forscher-Teams der Universität Regensburg einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Fähigkeiten aufzeigen. Für Diplom-Sportwissenschaftlerin Susanne Ziereis und Prof. Dr. Petra Jansen vom Institut für Sportwissenschaft lag deshalb die Vermutung nahe, dass sportliche Bewegungseinheiten einen positiven Einfluss auf Kinder mit ADHS haben könnten. Ein derartiger Zusammenhang wurde bislang weltweit kaum erforscht.

Ziereis und Jansen untersuchten in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Praxis von Manfred Wurstner in Regensburg, ob unterschiedliche Sport-Trainingsprogramme einen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten bei Kindern mit ADHS hatten. 43 Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren, darunter 32 Jungen und elf Mädchen, bei denen ADHS diagnostiziert wurde, nahmen an der Studie teil. Die Kinder wurden in drei verschiedene Gruppen eingeteilt, wobei es sich um zwei sogenannte Interventionsgruppen und eine Kontrollgruppe handelte. Beide Interventionsgruppen nahmen an einem zwölfwöchigen motorischen Trainingsprogramm teil, das sich jeweils von dem der anderen Interventionsgruppe unterschied. Ein Trainingsprogramm beinhaltete beispielsweise spezielle Übungen zur Handgeschicklichkeit, der Ballfertigkeit oder der Balance. In dem zweiten Programm wurde der Schwerpunkt auf Sportarten gelegt, bei denen eben diese Fähigkeiten nicht oder kaum gefordert waren. Vor und nach der ersten Trainingseinheit sowie im Anschluss an die gesamte zwölfwöchige Studie wurden die jeweilige kognitive und motorische Leistungsfähigkeit der Kinder erfasst.

Die Ergebnisse der Studie waren eindeutig: Die Kinder, die an einem der beiden Trainingsprogramme teilnahmen, zeigten eine signifikante Leistungssteigerung im Bereich der kognitiven Funktionen. Dagegen stagnierten die entsprechenden Leistungen bei der Kontrollgruppe. Die Regensburger Wissenschaftlerinnen folgerten daraus, dass sportliche Aktivität im Allgemeinen zu einer Verbesserung der Aufmerksamkeit und der Gedächtnisleistung von Kindern mit ADHS beitragen kann. Daher sind gezielte Bewegungsprogramme eine äußerst geeignete Methode zur Reduktion vorhandener kognitiver Defizite. Die Programme könnten ergänzend oder alternativ zur medikamentösen Therapie in den Alltag und den Behandlungsplan von Kindern mit ADHS integriert werden.

NUR / physio.de



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